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Frauen- und Mädchen Notruf Speyer

Beratungs- und Fachstelle bei sexualisierter Gewalt

Der Notruf Speyer für vergewaltigte Frauen und Mädchen ist eine Fachstelle zum Thema sexualisierte Gewalt. Sie wurde 1979 gegründet und versteht sich als Teil der autonomen Frauenbewegung. Basis der Arbeit ist ein feministischer Ansatz, der die grundsätzliche Parteilichkeit für Frauen beinhaltet. Gewalt gegen Frauen und Mädchen stellt sich demnach nicht als individuelles Problem einzelner Frauen und Mädchen dar, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Machtstrukturen.

Sexualisierte Gewalt hat viele Erscheinungsformen. Sie beginnt mit der noch oft verharmlosten „alltäglichen“ Anmache in Form von sexistischer, oft frauenfeindlicher Sprache und reicht bis hin zu Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch. Das Motiv für sexualisierte Gewalt ist nicht Sexualität, sondern Macht. Sexualität wird funktionalisiert, um zu demütigen, zu erniedrigen und zu unterdrücken mit dem Ziel, sich selbst als mächtig zu erleben. Bei allen Formen sexueller Übergriffe handelt es sich nicht um gewalttätige Formen von Sexualität, sondern um Gewalt, für die Sexualität als „Waffe“ benutzt wird. Meist wird die Verantwortung für sexualisierte Gewalt den Betroffenen zugeschoben. Unter Scham- und Schuldgefühlen leidend bleiben diese nicht selten allein. Sexualisierte Gewalt ist Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse, in denen Männer (und auch Jungen) ihre Machtstellung gegenüber Frauen und Mädchen sichern, indem Sexualität gezielt als Mittel zur Diskriminierung, Demütigung und Machtausübung eingesetzt wird.

Jede Frau reagiert anders auf sexualisierte Gewalt. Auch extreme Gefühle und Verhaltensweisen können in dieser Situation auftreten. Frauen und Mädchen reagieren auf eine Vergewaltigung, auf sexuellen Missbrauch oder andere Formen sexualisierter Gewalt so unterschiedlich, wie sie in ihrer Persönlichkeit verschieden sind. Viele Frauen und Mädchen leiden über Monate und Jahre hinweg unter dem Übergriff. Psychische oder körperliche Veränderungen sind dafür ein Zeichen. Sexualisierte Gewalt bedeutet immer und für jede Frau eine massive Verletzung ihrer Persönlichkeit und einen Eingriff in ihr Selbstbestimmungsrecht.

Finanziert wird der Frauen- und Mädchen Notruf hauptsächlich durch das rheinland-pfälzische Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen sowie durch die Stadt Speyer. Träger der Einrichtung ist der Verein „Labyrinth e.V.“ Der Frauennotruf ist an den bff: Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe / Frauen gegen Gewalt angeschlossen.

Das kostenlose und auf Wunsch anonyme Beratungsangebot, in dem die Mitarbeiterinnen der Schweigepflicht unterliegen, umfasst die Beratung für Mädchen und Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, Beratung für Frauen der Kriegsgeneration, Beratung für Migrantinnen und Beratung für Frauen mit Behinderung.

Mädchen und Frauen werden ermutigt, anzurufen,

  • wenn sie in ihrer Kindheit sexuellen Missbrauch erlebt haben
  • wenn sie zu sexuellen Handlungen gezwungen werden oder vergewaltigt wurden
  • wenn sie von ihrem Ex-Partner verfolgt und bedroht werden
  • wenn sie in Therapie oder in Betreuungsverhältnissen Übergriffe erleben
  • wenn sie im Alltag oder am Arbeitsplatz sexuell belästigt werden
  • wenn sie unsicher sind, ob das, was sie erlebt haben, sexuelle Gewalt ist
  • wenn ihre Erinnerungen undeutlich sind
  • wenn sie einer Person helfen möchten, die Gewalt erlebt oder erlebt hat
  • wenn sie von belastenden Erinnerungen überschwemmt werden und nicht mehr wissen, wie es weitergehen kann

Angeboten werden

  • Krisenintervention
  • Beratung, auch Email-Beratung
  • Beratung und Begleitung im Strafverfahren
  • Selbsthilfegruppen
  • Bedarfsgerechte Weiterverweisungungen
an RechtsanwältInnen, PsychotherapeutInnen, Kliniken
  • Selbsthilfe- und Fachbücher
  • Beratung von privaten Bezugspersonen

Im Rahmen der Prävention von sexualisierter Gewalt werden angeboten

  • Fortbildung für Kindertagesstätten (Präventionsprogramm für Kinder im Vorschulalter gegen sexuellen Missbrauch: "Mein Körper gehört mir!")
  • Mutmach-Kurse für Mädchen (2-tägige Kurse in Selbstbehauptung)
  • Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Frauen
  • Öffentlichkeitsarbeit (z.B. über k.o.-Tropfen)

 

Der Frauennotruf ist an den bff: Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe / Frauen gegen Gewalt angeschlossen. Finanziert wird er hauptsächlich durch das rheinland-pfälzische Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen sowie durch die Stadt Speyer. Träger der Einrichtung ist der Verein „Labyrinth e.V.“ Förderbeiträge und Spenden unterstützen die Notrufarbeit. Die Spenden des SI Club Speyer haben insbesondere die Prävention in Kindertagesstätten unterstützt.